Innerer Kündigung vorbeugen

Mehr als ein Fünftel aller Arbeitnehmer in Deutschland hat mit seinem Job innerlich abgeschlossen. Eine "Innere Kündigung" bedeutet, den "Entschluss eines Arbeitnehmers [...], seine Leistungsbereitschaft und seinen Arbeitseinsatz bewusst, aber stillschweigend, zurückzunehmen. Diesen Prozess vollzieht der Betroffene möglichst unauffällig, da er seine Arbeitsstelle behalten möchte."(Brinkmann 2005)
Vielleicht war es schon von Beginn an nicht der richtige Arbeitsplatz (aber immerhin kam das Gehalt pünktlich). Vorgesetzte haben zu häufig gewechselt oder viele Veränderungsprozesse wurden nicht zu Ende gedacht, vielleicht war es gar das Ausbleiben einer lange erwarteten Beförderung oder eine Mischung aus allem.

Kurzum: Es wäre Zeit sich nach etwas Neuem umzusehen. Eigentlich.




Jobcoaching
Bildquelle: pixabay.com
Denn Arbeitnehmer, die innerlich gekündigt haben, gehen diesen Schritt oft trotzdem nicht.
"Woanders ist es auch nicht besser", "da verdiene ich weniger" oder "die Kollegen passen eigentlich" sind gerne genommene Ausreden, um sich nicht woanders zu bewerben. Ein Großteil der innerlich Gekündigten hat ohnehin einige Jahre kein Bewerbungsverfahren mehr durchlaufen und scheut sich sowohl vor der Bewerbung an sich, als auch vor der Recherche und dem Vorstellungsgespräch. Doch was können Sie letztlich vorbeugend gegen eine innere Kündigung tun?
Das möchte ich sowohl aus Arbeitgeber- als auch aus Arbeitnehmersicht betrachten. Denn sicher neigt man hier schnell dazu zu schreiben, dass Arbeitgeber besser auf ihre Mitarbeiter eingehen sollen und allgemein für die Arbeits- und Rahmenbedingungen verantwortlich sind. Gleichzeitig möchte ich den Arbeitnehmer ebenso in die Pflicht nehmen, der an einer inneren Kündigung seine eigenen Anteile mit sich trägt.


Arbeitgeber & Vorgesetzte

Führungskräfte müssen viel im Blick haben, auch die Belange ihrer Mitarbeiter, die über die Sachebene hinausgehen. Im Alltagsgeschäft zwischen Umsatzzahlen und zig Meetings immer auch die Bedürfnisse der einzelnen Teammitglieder zu berücksichtigen ist eine besondere Herausforderung. Führungskräfte, die das jedoch aus den Augen verlieren, fördern die innere Kündigung bei ihren Arbeitnehmern. Hier einen Geburtstag vergessen, da einen Konflikt im Team ignoriert und bei einer anteiligen Projektleiterstelle jemand anderen bevorzugt als denjenigen, der den Job haben wollte und auch qualifizierter gewesen wäre. Wiederholen sich diese Ereignisse, entwickelt sich beim Beschäftigten ein Verhalten, das schleichend zu einer inneren Ablehnungshaltung führt und schon bald in reine Anwesenheit mündet.

Dabei können Vorgesetzte mit ein paar wenigen, aber wichtigen Punkten in ihrem Verhalten dieses Risiko minimeren.

  • Regelmäßiger Austausch: Damit sind positive Rückmeldungen ebenso gemeint wie negative. Denn als Arbeitnehmer weiß man gerne, wo man im Unternehmen und im Team steht. Wie eine bestimmte Aufgabe bewältigt wurde und wo etwaige Nachbesserungen beim nächsten Projektauftrag nötig sind. Geben Sie Ihrer Belegschaft das Gefühl, dass sie sich jederzeit an Sie wenden kann und seien Sie trotz aller Professionalität nahbar. 
  • Erste Anzeichen beachten: Achten Sie auf steigende Krankheitszeiten und häufigere Arbeitsunterbrechungen. Auch eine zurückgehende Arbeitsleistung oder Beschwerden von Kunden über den Mitarbeiter sind erste Anzeichen. Ein klärendes Gespräch und direktes Feedback auf das konkrete Thema sind dabei notwendig, um dem Beschäftigten auch die Möglichkeit zur Veränderung zu geben. 
  • Wertschätzung: Loben Sie nicht pauschal, sondern geben Sie echte Wertschätzung und Anerkennung der erbrachten Leistung. Damit haben wir in unseren Breitengraden zwar oft Schwierigkeiten ("Keine Watsche ist genug gelobt"), aber Sie selbst hören doch auch gerne hin und wieder ein "Gut gemacht", nicht wahr?
  • Handlungsfreiraum: So schwer es oft ist Verantwortung aus der Hand zu geben, so sehr motiviert es Ihre Mitarbeiter. Geben Sie Ihren Mitarbeitern einen großen Handlungsspielraum zur Gestaltung der eigenen Arbeit. In aller Regel können Ihre Mitarbeiter den Job ohnehin besser als Sie und die Möglichkeit in Absprache mit Ihnen einen positiven Einfluss auf die gesamte Organisation zu nehmen, ist ein hoher Motivationsfaktor.
  • Angemessenes Gehalt: Wir gehen arbeiten um zu leben und uns etwas leisten zu können. Vermeiden Sie es, nur den Mindestlohn zu bezahlen oder knapp darüber zu sein. Natürlich haben Mitarbeiter manchmal gerne überzogene Vorstellungen von dem, was sie verdienen sollten, aber eine dem Beruf angemessene Bezahlung oder eine Zulage ist motivierender als Dumpinglöhne. 
Seitens der Führungskräfte kann also eine Menge dafür getan werden, dass ein Mitarbeiter nicht schleichend innerlich kündigt. Sehen wir uns also an, was Arbeitnehmer dafür tun können, ihr Engagement aufrecht zu erhalten.


Arbeitnehmer

Als Teil eines Teams hat jeder Mitarbeiter eine andere Rolle inne. Controlling, Verwaltung, operatives Geschäft oder EDV haben sehr unterschiedliche Linientätigkeiten, so dass es auch mal zu Konflikten kommt. Denn jede Abteilung ist natürlich wichtiger als die jeweils andere. Dann ist da vielleicht noch ein Vorgesetzter, der "einen sowieso nicht sieht und keine Ahnung hat, was hier abgeht" und dahin geht sie langsam die Motivation. Es gibt ein paar Punkte, die Ihnen als Mitarbeiter helfen, einer inneren Kündigung dennoch bewusst entgegenzuwirken.

  • Warum sind Sie angetreten?: Irgendwann haben Sie einmal gesagt "den Job würde ich gerne machen, weil..." und hatten das Glück ihn zu bekommen. Aus welchem Grund haben Sie ihn bekommen, wie war die Motivation der ersten Stunden? Haben Sie sich auf die ersten Kundenkontakte gefreut oder darauf, endlich ein größeres Projekt durchzuziehen? Sich die Motivation der ersten Stunde wieder ins Gedächtnis zu rufen ist ein Baustein, der ihr Engagement in regnerischen Zeiten aufrechterhalten kann. 
  • Kontakt zum Vorgesetzten: Viele Vorgesetzte wissen nicht, was in ihren Mitarbeitern vorgeht. Manchmal aus Zeitmangel, manchmal auch aus Desinteresse. Aber es kommt oft vor, dass Sie sich als Arbeitnehmer nicht trauen das Gespräch mit Ihrem Vorgesetzten zu suchen. Fassen Sie sich ein Herz und melden Sie Gesprächsbedarf an. In aller Regel haben moderne Chefs immer ein offenes Ohr, wenn es nicht gerade in ein tägliches Therapiegespräch über Ihr Privatleben ausartet. Oftmals sind Führungskräfte durchaus darüber überrascht, was in ihren Mitarbeitern hinter der alltäglichen Fassade so los ist und können anschließend auch angemessen darauf reagieren.
  • Überlegen Sie sich Alternativen: Manch einem hilft es schon zu wissen, dass sie noch auf dem Arbeitsmarkt gefragt sind und schreiben eine Bewerbung auf eine interessante Stelle. Hin und wieder reicht es auch, sich in einschlägigen Jobportalen durch die Datenbanken zu klicken und zu schauen, auf welche Stellen man passen würde. Das gibt einem Sicherheit für einen Schritt nach draußen und Sie wissen, dass Sie auch woanders gebraucht werden. Vielleicht fallen Ihnen auch hausinterne Alternativen auf und Sie bleiben dem Unternehmen erhalten?
  • Annehmen was ist: Wenn Sie Gespräche geführt haben und keine Änderung eintritt oder sich selbst nicht motivieren konnten, akzeptieren Sie Ihre eigenen Anteile und sehen Sie sich zeitnah nach etwas Neuem um. In so einem Arbeitsverhältnis zu bleiben bekommt Ihnen persönlich nicht und auch Ihr Arbeitgeber wird langfristig merken, wie es um Ihre Motivation bestellt ist.
  • Neue Erfolge: Ruhen Sie sich nicht auf früheren Lorbeeren aus. Suchen Sie sich neue Inhalte in Ihren Aufgaben und übernehmen Sie auch wieder Zusatzaufgaben, mit denen Sie nicht nur bei Ihrem Vorgesetzten punkten können, sondern vor allem sich selbst beweisen, dass SIE es drauf und das nötige KnowHow dafür haben. Die Erfolge von gestern sind sicher eine positive Bilanz der Vergangenheit, aber eben Vergangenheit. 

Wann wird es Zeit für eine Trennung?

Aus Sicht der Führungskraft geht es in Richtung Trennung, wenn Gespräche geführt wurden, die Bedürfnisse besprochen und berücksichtigt sind und die Leistungsbereitschaft des Mitarbeiters trotzdem weiter zurückgeht oder zumindest konstant schlecht bleibt. Können sich beide Seiten nicht mehr auf einer angemessenen Ebene austauschen, so ist es an der Zeit einen Schlussstrich zu ziehen.

Aus Sicht des Arbeitnehmers wird es Zeit zu gehen, wenn ihn/sie folgende Gedanken immer wieder einholen oder in der Kantine in vertrauter Gemeinschaft zum Besten geben:
  • Die schenken einem auch nichts, warum soll ich mich hier abbuckeln
  • Ich habe mir jahrelang den A**** aufgerissen und bekomme nichts dafür
  • Andere lassen sich auch gleich bei einem Schnupfen krankschreiben, warum soll ich dann in die Arbeit gehen
  • Ich bekomme mein Geld auch so, warum soll ich mir ein Bein ausreißen
  • Die stecken sich die Taschen voll, während ich mich hier abstrampeln darf
Schonmal gehört? Wenn sich diese und ähnliche Formulierungen langsam bei Ihnen einschleichen, sind Sie auf dem Weg zu einer inneren Kündigung. Dann ist es entweder an der Zeit nach Jobs zu recherchieren, Fotos machen zu lassen und eine Bewerbung zu schreiben oder sich einen Jobcoach zu holen und diese Gedanken zu reflektieren. Vielleicht steht etwas anderes dahinter?


Ich wünsche Ihnen, dass Sie Ihr Engagement aufrechterhalten oder zurückgewinnen können oder Ihre Konsequenzen aus einem länger anhaltenden misslichen Arbeitsverhältnis ziehen können.

Herzlich,
Benjamin Rahn



Kommentare

  1. Alternativen und Kontakt zu Vorgesetzten? HAHA. Wo soll ich hin wenn ich bei den Sklaventreibern draußen bin?!!! Es ist doch immer der gleiche Mist. Sie sind auch Chef ich habe sie bei Google gefunden. Wahrscheinlich wollten sie auf die Art ein paar "unbequeme" Mitarbeiter loswerden. Hängen sie den text doch an das schwarze Brett in ihrer firma.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Lieber anonymer Schreiber, vielen Dank für Ihren Kommentar. Obwohl ich erst aufgrund mangelnder Sachlichkeit überlegt habe ihn zu löschen, so möchte ich Ihnen trotzdem antworten.
      Ich lade Sie gerne zu einem kostenlosen Erstcoaching ein, in dem wir Ihr Problem an Ihrem Arbeitsplatz und mit Ihren Vorgesetzten beleuchten. "Immer der gleiche Mist" entsteht nicht im Unternehmen und nicht am Arbeitsplatz. Solange Sie sich im Hintergrund über "Die da oben" beschweren und frustriert an Ihren Arbeitsplatz gehen, werden Sie immer die Erwartung haben, dass etwas Negatives passiert. Mit hoher Wahrscheinlichkeit erwarten Sie selten etwas Positives an Ihrem Arbeitsplatz. Überlegen Sie sich, mit welcher Haltung Sie jeden Tag an die Arbeit gehen und vor allem empfehle ich Ihnen, sich dennoch nach einer neuen Tätigkeit umzusehen.

      Löschen

Kommentar veröffentlichen