Hoffentlich merkt´s der Chef nicht: Zum Umgang mit Fehlern im Job

Coaching
Schon wieder vergessen dem Kunden sein Angebot zu schicken? In der Quartalsauswertung falsche Zahlen eingetragen? Oder einen wichtigen Termin verpasst? Manche Fehler können wir bei anderen Menschen abschauen und daraus lernen. Manche müssen wir selbst machen, um die notwendige Erfahrung zu bekommen.
Etwas falsch zu machen und offenkundig bei einer Aufgabe einen Fehler gemacht zu haben, daran haben viele Arbeitnehmer und auch Vorgesetzte zu knabbern. Neben der Taktik den Fehler klein zu reden, ist Vertuschung eine häufig angewandte Strategie, weil die Angst vor den Konsequenzen überwiegt.


Was sind Fehler?

"Fremde Fehler haben wir vor Augen, unsere eigenen im Rücken" (marokk. Sprichwort)

Wenn es um persönliche Fehler im organisationalen Umfeld geht, dann handelt es sich um die psychologische Definition. Das bedeutet, es geht um Planungsfehler, Denkfehler oder Fehler, die in der persönlichen Handlung einer Person begründet sind. In der Konstruktion eines neuen Produkts können im Vorfeld Planungsfehler entstehen, die auf Denkfehler zurückzuführen sind.  Fehler ließen sich beliebig nach ihren Entstehungsorten aufteilen (Softwarefehler, system. Fehler, externe Fehler, ...). Dennoch sind sie durch menschliches Handeln begründet. Dies bestätigt auch die Definition nach der DIN ISO-Norm, in der ein Fehler als "Nichterfüllung einer festgelegten Anforderung" beschrieben wird. Schwieriger wird es in der Arbeit mit Menschen, die in vielen Fällen schwer messbar ist.

Dabei darf man die Auswirkungen von Fehlern nicht ganz außer Acht lassen. Tippfehler in einer geschäftlichen E-Mail sind natürlich peinlich, aber für das Fortbestehen des Unternehmens nicht ausschlaggebend. Andere Fehler jedoch, die Geld in mehrstelliger Höhe kosten (wir sparen an dieser Stelle Beispiele wie den Dieselskandal oder gar den Berliner Flughafen aus), haben direkte Auswirkungen auf die Organisation. Der Schweregrad eines Fehlers hat also durchaus unterschiedliche Auswirkungen, auch auf die Reaktion des Mitarbeiters oder Kollegen. Während die einen erst einmal kurz durchatmen und sich sagen "okay, wie bekomme ich die Kuh vom Eis", bekommen andere panikartige Fluchtzustände und melden sich krank oder ignorieren den Fehler aus Selbstschutz.


Drei Strategien zum angemessenen Umgang mit Fehlern

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I. Akzeptieren Sie den Fehler
Der Fehler ist da und er ist aufgrund Ihrer Fehlhandlung entstanden. Akzeptieren Sie diesen Sachverhalt ebenso wie Sie die damit verbundenen Konsequenzen tragen. Es klingt zunächst sonderbar, aber es gibt Menschen, die Fehler genau deshalb erst gar nicht sehen und grundsätzlich davon ausgehen, selbst keinen gemacht zu haben. Wichtig ist, dass Sie offen damit umgehen und sich mit dem entstandenen Schaden (persönlich oder pekuniär) auseinandersetzen.

Wenn Sie mit dem Fehlverhalten konfrontiert werden, vermeiden Sie es sofort zu widersprechen. Denn jetzt geht es in erster Linie um die Wahrnehmung Ihres Vorgesetzten oder Kollegen. Natürlich dürfen und sollen Sie in angemessener Weise Ihren Standpunkt vertreten, wenn Sie davon überzeugt sind und wissen, dass es kein "schlimmer" Fehler war. Dazu muss jedoch die Beziehung stimmen und Ihr Vorgesetzter muss Ihnen Raum dafür geben. Auch wenn tradierte Top-down Chefs immer mehr der Vergangenheit angehören, so trägt doch er/sie die Verantwortung für die Unternehmung oder den Bereich und Sie sind weisungsgebunden.

Dass jemand einen Fehler nicht akzeptiert erkennt man daran, dass der/die Betroffene ablehnend reagiert oder erst gar nicht zuhört, sofort zum Gegenangriff ausholt (meist unter Kollegen der gleichen Hierarchieebene: "Als ob DU alles richtig machen würdest") oder umgehend die Schuld anderen zuweist.
Vermeiden Sie dies unbedingt und hören Sie stattdessen zuerst zu zuhören und dann erst zu reagieren. Nehmen Sie die Kritik als Unterstützung für die Zukunft anzunehmen und sehen Sie es als Annäherung zwischen eigener Wahrnehmung und der Wahrnehmung anderer.


II. Verantwortung übernehmen
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Übernehmen Sie die 100-prozentige Verantwortung für Ihr Fehlverhalten oder Ihre Fehleinschätzung. Sowohl Ihre Vorgesetzten als auch Ihre Kollegen merken, wenn Sie ihnen eine Geschichte auftischen oder sich herauswinden wollen. Überlegen Sie sich im Vorfeld, wie gerne Sie selbst eine offenkundige Ausrede hören und wie veräppelt Sie sich dabei fühlen.

Sie sind für diese Aufgabe verantwortlich gewesen. Und Sie können genauso verantwortlich die Reise in die andere Richtung unternehmen, indem Sie den Fehler bestmöglich beheben. Wer so mit seinen Fehlern umgeht, erhält in aller Regel auch Unterstützung aus seinem Team und von den Vorgesetzten.

Schwierig wird es, wenn es ein Projekt mit mehreren Beteiligten war und nicht klar war, wer wofür zuständig war. Bleiben Sie in diesem Fall bei sich und schieben Sie nicht die Schuld anderen zu. Sätze wie "Das war Kollege xyz und hatte nichts mit mir zu tun" werfen selten ein gutes Licht auf Sie. Fragen Sie sich immer "Was ist mein Anteil daran und was kann ich beim nächsten Mal anders machen."

Selbst wenn Sie offensichtlich falsch verdächtigt wurden, reden Sie zuerst mit dem Kollegen und dann mit dem Vorgesetzten. Das auch nur, wenn Ihr Kollege nicht die Courage hat, es selbst richtig zu stellen.


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III. Die Chance zur Verhaltensänderung

"Hätte ich früher das gewusst, was ich heute weiß, ich hätte einiges anders gemacht."

Obwohl in diesem Artikel das Wort "Fehler" recht dominant ist, so ist die wichtigste Botschaft, dass Sie aus ihm neue Perspektiven für zukünftige Aufgaben ziehen. Denn auf der einen Seite haben Sie vielleicht schon zum wiederholten Male den gleichen oder einen ähnlichen Fehler begangen und wissen, dass diese Aufgabe nicht zu Ihren Stärken gehört. Entweder arbeiten Sie daran, Stärken dafür zu entwickeln oder Sie fokussieren andere Aufgaben.

Um für die Zukunft bessere Ergebnisse zu erzielen können Sie weitere Dinge tun:
  • Statt sie zu vermeiden, nehmen Sie sich die Aufgabe auch beim nächsten und übernächsten Mal wieder vor.
  • Verändern sie dabei Ihr Vorgehen (Plan anders aufstellen, Timing ändern, andere Personen einbeziehen).
  • Kontrollieren Sie die Anpassung: Ihr eigenes Verhalten können Sie sehr gut beobachten und dokumentieren. Natürlich müssen Sie kein Tagebuch schreiben - es reicht meist eine kleine Notiz, in der Sie festhalten, was Sie dieses Mal anders gemacht haben als beim letzten Mal. Im Rahmen einer Projektdokumentation ist das ohnehin sehr hilfreich für die Projektevaluation. 

Fehler nicht überbewerten

Letztlich geht es auch darum, anschließend wieder "Fünfe gerade sein zu lassen" und sich zu sagen: "Fehler entstanden, analysiert und behoben, beim nächsten Mal wird es besser." Damit ist das Thema dann auch abgeschlossen. Geben Sie nicht allen Fehlern, die Sie machen eine zu große Bedeutung. Am Ende kämpfen ohnehin Sie am meisten damit, nämlich wenn Sie bereits in den Überstunden stecken und den Fehler wieder korrigieren. Auch wenn ein Schaden entstanden ist, legen Sie die Sache für sich zeitnah ad acta. Was Sie immer ändern können, ist Ihr Blick auf die Dinge und Sie tun sich keinen Gefallen, wenn Sie immer wieder darauf rumreiten.


Muss ich den Chef über jeden Fehler informieren?

Kleine Fehler beheben Sie selbst wieder. Vielleicht sogar ein Kollege, der ohnehin noch einmal an der Datei xyz sitzt. Der Chef muss dann informiert werden, wenn der Fehler größere Auswirkungen auf mehrere Bereiche der Organisation hat, wenn es Kunden und Finanzen betrifft. Haben Sie ein zertifiziertes Qualitätsmanagement, sollten Sie in jedem Fall einen Fehler-Report ausfüllen.
  

Fehler sind seit jeher ein wichtiges Element des Lernens. Reagieren Sie akzeptierend-positiv auf den Fehler und überlegen Sie zuerst, was Sie für das nächste Mal daraus lernen können.

Ich möchte Sie ermutigen offen mit Fehlern umzugehen und vor allem, diesen selbstverantwortlich wieder zu bereinigen so gut es geht.


Herzlich,
Benjamin Rahn

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